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Klagelieder 2Schlachter 1951 (SCH1951)

Verwüstung Jerusalems durch Gottes Zorngericht

In was für eine Dunkelheit hat doch der Herr in seinem Zorn die Tochter Zion versetzt!
Er hat die Zierde Israels vom Himmel zur Erde geschleudert
und des Schemels seiner Füße nicht gedacht
am Tage seines Zorns.
Der Herr hat alle Wohnungen Jakobs vertilgt und ihrer nicht geschont;
er hat in seinem Grimm die Festungen der Tochter Juda niedergerissen
und zu Boden geworfen;
er hat ihr Königreich samt ihren Fürsten entweiht.
In seinem grimmigen Zorn hieb er jedes Horn[a] von Israel ab,
zog vor dem Feinde seine Hand zurück
und zündete Jakob wie mit einer Feuerflamme an,
welche ringsum alles verzehrt.
Er spannte seinen Bogen wie ein Feind,
stellte sich mit seiner Rechten wie ein Widersacher
und machte alles nieder,
was im Zelte der Tochter Zion lieblich anzusehen war;
er goß seinen Grimm wie Feuer aus.
Der Herr ist geworden wie ein Feind;
er hat Israel vertilgt, alle seine Paläste vernichtet;
er hat seine Festungen zerstört
und hat der Tochter Juda viel Klage und Wehklage verursacht.
Er hat sein Gehege verwüstet wie einen Garten,
sein Versammlungshaus zerstört;
der Herr hat die Festtage und Sabbate zu Zion in Vergessenheit gebracht
und in seinem grimmigen Zorn König und Priester verworfen.
Der Herr hat seinen Altar verabscheut, sein Heiligtum verflucht;
er hat die Mauern ihrer Paläste der Hand des Feindes preisgegeben;
sie haben im Hause des Herrn ihre Stimme erschallen lassen
wie an einem Festtag.
Der Herr hatte sich vorgenommen, die Mauern der Tochter Zion zu zerstören;
er spannte die Meßschnur aus, zog seine Hand nicht zurück, bis daß er sie vertilgte;
Wall und Mauer versetzte er in Trauer;
sie stehen allzumal kläglich da.
Ihre Tore sind in den Erdboden versunken,
ihre Riegel hat er verderbt und zerbrochen;
ihr König und ihre Fürsten sind unter den Heiden; es ist kein Gesetz mehr da,
auch bekommen ihre Propheten keine Offenbarung mehr vom Herrn.
10 Die Ältesten der Tochter Zion sitzen schweigend auf der Erde;
sie haben Staub auf ihr Haupt gestreut und sich mit dem Sack umgürtet;
die Jungfrauen von Jerusalem senken ihr Haupt zur Erde.
11 Meine Augen sind ausgeweint, mein Inneres kocht;
mein Herz schmilzt in mir
wegen des Zusammenbruches der Tochter meines Volkes,
weil die jungen Kinder und Säuglinge auf den Gassen verschmachtet sind!
12 Sie sprachen zu ihren Müttern:
„Wo ist Brot unde Wein?“
als sie wie Todwunde auf den Straßen der Stadt verschmachteten,
als sie in dem Schoß ihrer Mütter den Geist aufgaben.
13 Wie soll ich dir zusprechen, du Tochter Jerusalem?
Wem soll ich dich vergleichen?
Womit soll ich dich beruhigen und trösten, du Jungfrau, Tochter Zion?
Denn dein Schaden ist so groß wie das Meer!
Wer kann dich heilen?
14 Deine Propheten haben dir erlogenes und fades Zeug gepredigt
und haben deine Missetat nicht aufgedeckt,
um dadurch deine Gefangenschaft abzuwenden,
sondern sie haben dir betrügerische und verführerische Orakel gegeben.
15 Alle, die des Weges vorübergehen, schlagen die Hände über dir zusammen,
zischen und schütteln den Kopf über die Tochter Jerusalem:
„Ist das die Stadt, von der man sagte, sie sei die allerschönste,
die Wonne der ganzen Erde?“
16 Alle deine Feinde sperren ihr Maul gegen dich auf,
zischen und knirschen mit den Zähnen
und sagen: „Jetzt haben wir sie vertilgt!
Das ist der Tag, auf den wir hofften, wir haben ihn erlebt und gesehen!“
17 Der Herr hat vollbracht, was er sich vorgenommen;
er hat seine Drohung ausgeführt, die er von alters her hat verkündigen lassen;
er hat schonungslos zerstört;
er hat den Feind über dich frohlocken lassen
und das Horn deiner Widersacher erhöht. -
18 Ihr Herz schreie zum Herrn!
Du Mauer der Tochter Zion, laß Tag und Nacht Tränenströme fließen,
gönne dir keine Ruhe,
dein Augapfel raste nicht!
19 Stehe auf und klage des Nachts, beim Beginn der Wachen!
Schütte dein Herz wie Wasser aus vor dem Angesicht des Herrn!
Hebe deine Hände zu ihm empor für die Seele deiner Kindlein,
die an allen Straßenecken vor Hunger verschmachten!
20 Herr, schaue her und siehe: Wem hast du also getan?
Sollten denn Frauen ihre eigene Leibesfrucht essen,
die Kindlein ihrer Pflege?
Sollten wirklich Priester und Propheten im Heiligtum des Herrn erschlagen werden?
21 Junge und Alte liegen draußen auf der Erde;
meine Jungfrauen und meine Jünglinge sind durch das Schwert gefallen;
du hast sie am Tage deines grimmigen Zornes erwürgt,
du hast sie schonungslos niedergemacht!
22 Wie zu einem Festtage hast du alles, was ich fürchtete, von allen Seiten zusammengerufen,
und es ist am Tage des Zornes des Herrn niemand entronnen noch übriggeblieben;
was ich gepflegt und großgezogen hatte,
das vertilgte mein Feind!

Footnotes:

  1. Klagelieder 2:3 Horn, bed. Kraft (GW)
Schlachter 1951 (SCH1951)

Copyright © 1951 by Geneva Bible Society

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