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Hiob 4-23 Schlachter 2000 (SCH2000)

Die erste Rede des Eliphas

Da ergriff Eliphas, der Temaniter, das Wort und sprach:

Wenn man ein Wort an dich richtet, wird es dich verärgern? Aber Worte zurückhalten, wer könnte das?

Siehe, du hast viele unterwiesen und hast müde Hände gestärkt.

Deine Worte haben den Strauchelnden aufgerichtet, und wankende Knie hast du gekräftigt.

Nun aber, da es an dich kommt, bist du verzagt; weil es dich trifft, bist du bestürzt!

Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht, und die Tadellosigkeit deines Weges deine Hoffnung?

Bedenke doch: Ist je ein Unschuldiger umgekommen, und wo wurden Rechtschaffene vertilgt?

Soviel ich gesehen habe: Die Unrecht pflügen und die Unheil säen, die ernten es auch.

Durch Gottes Odem kommen sie um; durch den Hauch seines Zornes werden sie verzehrt.

10 Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Junglöwen [verstummt], und die Zähne der jungen Löwen werden ausgebrochen.

11 Der Löwe kommt um aus Mangel an Beute, und die Jungen der Löwin zerstreuen sich.

12 Zu mir aber kam heimlich ein Wort, mein Ohr vernahm ein leises Flüstern;

13 in Schreckgedanken, durch Nachtgesichte erregt, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,

14 da kam Furcht und Zittern über mich und durchschauerte alle meine Gebeine;

15 denn ein Geist[a] ging an mir vorüber; die Haare meines Leibes standen mir zu Berge.

16 Er trat vor mich hin, und ich konnte sein Aussehen nicht erkennen; eine Gestalt war vor meinen Augen, ich hörte eine flüsternde Stimme[b]:

17 Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott, oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer?

18 Siehe, seinen Dienern traut er nicht, seinen Engeln wirft er Irrtum vor;

19 wie viel mehr denen, die in Lehmhütten wohnen, die auf Staub gegründet sind, die wie Motten zerstört werden!

20 Zwischen Morgen und Abend gehen sie zugrunde; ehe man sich"s versieht, sind sie für immer dahin.

21 Wird nicht ihr Zeltstrick abgerissen? Sie sterben, ohne Weisheit erlangt zu haben.[c]

Eliphas ermahnt Hiob, die Züchtigung anzunehmen

Rufe doch! Ist einer da, der dir antwortet? Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden?

Denn den Narren bringt der Unmut um, und den Unverständigen tötet der Eifer.

Ich selbst habe einen Narren gesehen, der Wurzel schlug, und sogleich verfluchte ich seine Wohnung.

Seine Kinder fanden keine Hilfe, und sie wurden im Tor[d] zertreten, ohne dass es einen Retter gab;

seine Ernte verzehrte der Hungrige und holte sie ihm selbst aus den Dornhecken heraus, und sein Vermögen schnappten die Habgierigen weg.

Denn Unglück wächst nicht aus dem Staub hervor, und Unheil sprosst nicht aus der Erde;

sondern der Mensch ist zum Unglück geboren, wie die Funken nach oben fliegen.

Ich jedoch würde Gott[e] suchen und Gott[f] meine Sache darlegen,

der große, unerforschliche Dinge tut, Wunder, die nicht zu zählen sind:

10 Er gießt Regen auf die Erde und sendet Wasser über die Fluren;

11 er erhöht die Niedrigen, und die Leidtragenden erlangen das Heil;[g]

12 er vereitelt die Anschläge der Listigen, dass ihre Hand sie nicht ausführen kann;

13 er fängt die Weisen in ihrer List, und der Rat der Verschlagenen wird über den Haufen geworfen;

14 bei Tag stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie umher wie in der Nacht.

15 Aber er rettet den Elenden vom Schwert, aus ihrem Rachen und aus der Hand des Starken,

16 sodass der Geringe Hoffnung fasst und die Frechheit ihr Maul verschließt.

17 Siehe, wohl dem Menschen, den Gott zurechtweist! Darum verwirf die Züchtigung des Allmächtigen nicht!

18 Denn er verwundet und verbindet; er zerschlägt, und seine Hand heilt.

19 In sechs Bedrängnissen wird er dich erretten, und in sieben wird dich nichts Böses antasten:

20 In Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Krieg von der Gewalt des Schwertes;

21 vor der Geißel der Zunge wirst du geborgen sein und wirst die Verwüstung nicht fürchten, wenn sie kommt.

22 Über Verwüstung und Dürre wirst du lachen und vor den wilden Tieren der Erde nicht erschrecken,

23 denn mit den Steinen des Feldes stehst du im Bund, und das Wild des Feldes hält Frieden mit dir.

24 Du wirst erfahren, dass dein Zelt sicher[h] ist, und betrachtest du deine Wohnung, so fehlt dir nichts.

25 Du wirst erfahren, dass dein Same zahlreich wird und deine Sprösslinge wie das Gras auf Erden.

26 Du wirst in gutem Alter begraben werden, wie man Garben einbringt zu ihrer Zeit.

27 Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; höre du darauf und merke es dir wohl!

Hiobs Unmut und Schmerz

Da antwortete Hiob und sprach:

O dass man meinen Unmut wiegen könnte und mein Unglück auf die andere Waagschale legte![i]

Denn nun ist es schwerer als der Sand der Meere; darum sind meine Worte so ungestüm.

Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist trinkt ihr Gift; die Schrecken Gottes bestürmen mich.

Schreit auch ein Wildesel auf der Grasweide, oder brüllt ein Stier, wenn er Futter hat?

Lässt sich etwa Fades ohne Salz essen? Oder findet man am Eiweiß irgendwelchen Geschmack?

Was meine Seele zu berühren verschmähte, das ist jetzt mein tägliches Brot, mir zum Ekel!

O dass doch meine Bitte in Erfüllung ginge, und Gott mein Verlangen[j] gewährte:

dass doch Gott sich entschlösse, mich zu zermalmen, seine Hand ausstreckte, um mich abzuschneiden!

10 So bliebe mir noch der Trost — und ich frohlockte darüber im schonungslosen Schmerz —, dass ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet[k] habe!

11 Wie groß ist denn meine Kraft, dass ich noch ausharren, und wann kommt mein Ende, dass meine Seele sich gedulden soll?

12 Ist mir denn die Kraft der Steine gegeben? Ist mein Fleisch denn aus Erz?

13 Bin ich denn nicht hilflos und jeder Stütze beraubt?[l]

Hiob wehrt sich gegen die Zurechtweisungen seiner Freunde

14 Dem Verzagten gebürt Mitleid von seinem Freund, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.

15 Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, die vergehen,[m]

16 die trübe werden vom Eis, wenn der Schnee sich darin birgt,

17 die aber versiegen zur Zeit der Sommerhitze und von ihrem Ort verschwinden, wenn es heiß wird.

18 Es winden sich die Pfade ihres Laufs; sie ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich.

19 die Karawanen Temas halten Ausschau, die Reisegesellschaften von Saba hoffen auf sie.

20 Aber sie werden in ihrer Hoffnung betrogen; sie kommen dorthin und werden enttäuscht.

21 So seid auch ihr jetzt ein Nichts geworden; ihr seht Schreckliches und fürchtet euch davor!

22 Habe ich etwa gesagt: »Gebt mir etwas!«, oder »Macht mir ein Geschenk von eurem Vermögen!«,

23 oder »Rettet mich aus der Hand des Bedrängers und erlöst mich aus der Hand des Tyrannen!«?

24 Belehrt mich doch, und ich will schweigen, weist mir nach, worin ich geirrt habe!

25 Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit! Aber was bringen eure Zurechtweisungen schon zurecht?

26 Gedenkt ihr Worte zu bekritteln und haltet die Reden eines Verzweifelten für Wind?

27 Ja, ihr würdet selbst über eine Waise das Los werfen und euren Freund verschachern!

28 Und nun tut mir den Gefallen und schaut mich an; ich werde euch doch wahrhaftig nicht ins Angesicht belügen!

29 Kehrt doch um, tut nicht Unrecht! Ja, kehrt um! Noch bin ich hier im Recht!

30 Ist denn Unrecht auf meiner Zunge, oder unterscheidet mein Gaumen nicht, was verderblich ist?

Hiobs Leiden und Auflehnung

Hat der Mensch nicht harten Frondienst[n] auf Erden; sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?

Wie einem Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie einem Tagelöhner, der auf seinen Lohn harrt,

so wurden [auch] mir Monate voller Enttäuschung beschert und Nächte voller Qual zugeteilt.

Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Aber der Abend zieht sich hin, und ich bin gesättigt mit Unrast bis zur Morgendämmerung.

Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und Schorf; meine Haut verkrustet und eitert.

Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen; sie entschwinden ohne Hoffnung.

Bedenke doch, dass mein Leben [nur] ein Hauch ist, dass mein Auge nichts Gutes mehr sehen wird!

Das Auge dessen, der mich [jetzt] erblickt, wird mich nicht mehr sehen; wenn deine Augen [nach mir sehen], so bin ich nicht mehr!

Wie die Wolke vergeht und verschwindet, so kommt, wer ins Totenreich fährt, nicht mehr herauf;

10 er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.

11 Darum will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten; ich will reden in der Bedrängnis meines Geistes, in der Verbitterung meiner Seele will ich klagen:

12 Bin ich denn das Meer oder ein Ungeheuer, dass du eine Wache gegen mich aufstellst?

13 Wenn ich denke: Mein Bett wird mich trösten, mein Lager wird meine Klage erleichtern!,

14 so erschreckst du mich mit Träumen und ängstigst mich durch Gesichte,

15 sodass meine Seele lieber ersticken möchte und ich lieber tot wäre, als ein Gerippe zu sein.

16 Ich habe genug! Ich will nicht ewig leben;[o] lass ab von mir; meine Tage sind [nur] ein Hauch!

17 Was ist der Mensch[p], dass du ihn so hochhältst und dass du auf ihn achtest[q]?

18 Du suchst ihn Morgen für Morgen heim; alle Augenblicke prüfst du ihn.

19 Warum schaust du immer noch nicht von mir weg und lässt mir nicht einmal so viel Ruhe, dass ich meinen Speichel herunterschlucken kann?

20 Habe ich gesündigt? Was tue ich dir an, du Menschenhüter? Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht, sodass ich mir selbst zur Last bin?

21 Warum vergibst du meine Übertretung nicht und erlässt mir nicht meine Schuld?[r] Denn jetzt muss ich mich in den Staub legen, und wenn du nach mir suchst, so bin ich nicht mehr!

Die erste Rede des Bildad

Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:

Wie lange willst du solche Reden führen, [wie lange] sollen die Worte deines Mundes wie heftiger Wind sein?

Beugt denn Gott das Recht, oder verkehrt der Allmächtige die Gerechtigkeit?

Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben, so hat er sie dahingegeben in die Gewalt[s] ihrer Missetat.

Bist du es aber, so suche Gott ernstlich und flehe um Gnade zu dem Allmächtigen!

Wenn du lauter und aufrichtig bist, so wird er sich um deinetwillen aufmachen und dein gerechtes Heim wiederherstellen.

Da wird dein früheres Glück im Vergleich zu deinem späteren klein sein![t]

Denn frage doch das frühere Geschlecht und beherzige das, was ihre Väter erforscht haben!

Denn von gestern sind wir und wissen nichts; ein Schatten nur sind unsere Tage auf Erden.

10 Sind sie es nicht, die dich belehren, es dir sagen und Sprüche hervorholen aus ihrem Herzen?[u]

11 Schießt der Papyrus ohne Sumpf empor, oder gedeiht das Riedgras ohne Wasser?

12 Noch steht es in vollem Trieb, ist nicht zum Schneiden reif — da verdorrt es schon vor allem anderen Gras.

13 Das ist der Weg all derer, die Gott vergessen; ja, die Hoffnung des Ruchlosen geht zugrunde!

14 Seine Zuversicht wird abgeschnitten, und sein Vertrauen ist ein Spinngewebe.

15 Er stützt sich auf sein Haus, aber es hält nicht stand; er hält sich daran fest, aber es bleibt nicht stehen.

16 Er steht voll Saft im Sonnenschein, und seine Ranken überziehen seinen Garten;

17 über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln, auf ein Haus von Steinen schaut er hin.

18 Doch wenn man ihn von seiner Stätte wegreißt, so verleugnet sie ihn: »Ich habe dich nie gesehen!«

19 Siehe, das ist die Freude seines Weges, und aus dem Staub werden andere wachsen.

20 Siehe, Gott verwirft den Unschuldigen nicht, und er reicht auch keinem Übeltäter die Hand;

21 während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Freudengeschrei,

22 werden deine Hasser mit Schande bekleidet werden, und das Zelt der Gottlosen wird nicht mehr sein!

Hiobs Antwort auf Bildad: Er anerkennt Gottes Allmacht

Da antwortete Hiob und sprach:

Wahrhaftig, ich weiß, dass es sich so verhält; und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?

Wenn er mit Ihm rechten wollte, so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten.

Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen?

Er versetzt Berge, und man merkt es nicht; er, der sie umkehrt in seinem Zorn.

Er stört die Erde auf von ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern.

Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel[v].

Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher.

Er machte den Großen Bären, den Orion und das Siebengestirn, samt den Kammern des Südens.

10 Er tut große Dinge, die unerforschlich sind, und Wunderwerke ohne Zahl.

11 Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.

12 Siehe, wenn er dahinrafft, wer kann ihn hindern? Wer kann ihm zurufen: Was machst du da?

13 Gott lässt von seinem Zorn nicht ab; selbst Rahabs Helfer[w] müssen sich unter ihn beugen.

14 Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten, und Worte finden, um mit ihm zu reden!

15 Auch wenn ich im Recht wäre, könnte ich ihm nichts erwidern, sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen.

16 Wenn ich rufe, wird er mir antworten? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört;

17 denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu.

18 Er lässt mich nicht einmal Atem holen, sondern sättigt mich mit bitteren Leiden.

19 Kommt"s auf die Kraft des Starken an, siehe, er hat sie, und wenn aufs Recht, wer lädt mich vor?

20 Wenn ich mich auch rechtfertige, so wird mich doch mein Mund verurteilen, und bin ich auch untadelig, so wird er mich doch für verkehrt erklären.

Hiob bezichtigt Gott der Ungerechtigkeit

21 Ich bin untadelig, dennoch kümmert mich meine Seele nicht; ich verachte mein Leben.

22 Darum sage ich: Es ist einerlei; Untadelige und Gottlose bringt er gleicherweise um!

23 Wenn die Geißel plötzlich tötet, so lacht er über die Prüfung der Unschuldigen.

24 Die Erde ist in die Gewalt des Frevlers gegeben; das Angesicht ihrer Richter verhüllt Er; wenn nicht Er, wer dann?

25 Und meine Tage sind schneller dahingeeilt als ein Läufer; sie sind entflohen und haben nichts Gutes gesehen;

26 sie sind vorbeigezogen wie Rohrschiffe, wie ein Adler, der sich auf Beute stürzt.

27 Wenn ich denke: »Ich will meine Klage vergessen, meine Miene ändern und heiter dreinschauen!«,

28 so muss ich meine vielen Schmerzen fürchten; denn ich weiß, dass du mich nicht freisprechen wirst!

29 Soll ich denn schuldig sein, was mühe ich mich vergeblich ab?

30 Wenn ich mich auch mit Schnee waschen würde und meine Hände mit Lauge reinigte,

31 so würdest du mich doch in die Grube tauchen, sodass sich meine eigenen Kleider vor mir ekelten!

32 Denn Er ist nicht ein Mann wie ich, dass ich Ihm antworten dürfte, dass wir miteinander vor Gericht gehen könnten;

33 es gibt auch keinen Mittler[x] zwischen uns, der seine Hand auf uns beide legen könnte.

34 Er nehme aber seine Rute von mir, und sein Schrecken ängstige mich nicht mehr,

35 so wollte ich reden und keine Angst vor Ihm haben — aber so ist es bei mir nicht.

Hiob fühlt sich von Gott grundlos bedrängt

10 Meine Seele ekelt’s vor meinem Leben; ich will mich meiner Klage überlassen, will reden in der Betrübnis meiner Seele.

Ich spreche zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, weshalb du mich befehdest!

Gefällt es dir wohl, dass du bedrückst, dass du das Werk deiner Hände verwirfst, während du über den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässt?

Hast du Fleischesaugen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?

Sind denn deine Tage wie Menschentage, deine Jahre den Jahren eines Mannes gleich,

dass du nach meiner Schuld forschst und nach meiner Sünde fragst,

obwohl du doch weißt, dass ich unschuldig bin, und mich niemand aus deiner Hand erretten kann?

Deine Hände haben mich als Ganzes gebildet und rundum gestaltet, und nun verschlingst du mich?

Gedenke doch, dass du mich wie Ton gebildet hast; und nun willst du mich wieder in Staub verwandeln!

10 Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse mich gerinnen lassen,

11 mit Haut und Fleisch mich bekleidet, mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben?

12 Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Fürsorge bewahrte meinen Geist.

13 Doch dieses verbargst du in deinem Herzen; ich weiß, dass es bei dir so beschlossen war:

14 Wenn ich sündigte, so würdest du darauf achten und mich nicht freisprechen von meiner Missetat.

15 Habe ich Böses getan, dann wehe mir! Und bin ich im Recht, so darf ich mein Haupt doch nicht erheben; ich bin ja gesättigt mit Schande und muss mein Elend ansehen!

16 Wagt [mein Haupt] es aber, sich zu erheben, so verfolgst du mich wie ein Löwe und handelst noch unbegreiflicher mit mir.

17 Du stellst neue Zeugen gegen mich auf und mehrst deinen Zorn gegen mich; du bietest stets frische Scharen, ja ein Heer gegen mich auf!

18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgebracht? Wäre ich doch dabei umgekommen, ohne dass mich ein Auge gesehen hätte!

19 So würde ich sein, als wäre ich niemals gewesen, vom Mutterleib weg ins Grab gelegt.

20 Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Er höre doch auf, lasse ab von mir, dass ich mich ein wenig erhole,

21 ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren in das Land der Düsternis und des Todesschattens,

22 in das Land, das schwarz ist wie die Finsternis, [das Land] des Todesschattens, wo keine Ordnung herrscht, wo das Licht wie tiefe Finsternis ist!

Die erste Rede des Zophar

11 Da antwortete Zophar, der Naamatiter, und sprach:

Soll die Menge der Worte unbeantwortet bleiben und der Schwätzer recht behalten?

Soll dein Geschwätz Männern den Mund stopfen, dass du spottest und niemand dich beschämt?

Und du hast gesagt: »Meine Lehre ist lauter, und ich bin vor deinen Augen rein!«

O dass doch Gott reden möchte und seine Lippen auftäte gegen dich!

Und dass er dir doch die Geheimnisse der Weisheit verkündete — denn es gibt noch doppelt so viele wie du weißt —, so würdest du erkennen, dass Gott dir noch nachlässt von deiner Schuld!

Kannst du die Tiefe[y] Gottes ergründen oder zur Vollkommenheit des Allmächtigen gelangen?

Sie ist himmelhoch — was willst du tun? tiefer als das Totenreich — was kannst du wissen?

Ihre Ausdehnung ist größer als die Erde und breiter als das Meer.

10 Wenn Er einherfährt, kann er verhaften und vor Gericht stellen — wer will es ihm wehren?

11 Denn er kennt die nichtswürdigen Leute und sieht auch die Schuld, ohne dass er [darauf] achthaben muss.

12 Kann ein Hohlkopf Verstand gewinnen, und ein Eselhengst als Mensch geboren werden?

13 Wenn du nun dein Herz fest ausrichtest und zu ihm deine Hände ausstreckst

14 — wenn Unrecht an deinen Händen ist, so entferne es, und lass in deinen Zelten nichts Böses wohnen!

15 Ja, dann darfst du ohne Scheu dein Angesicht erheben und fest auftreten ohne Furcht;

16 dann wirst du deine Mühsal vergessen, wie man das Wasser vergisst, das vorübergeflossen ist.

17 Heller als der Mittag wird dein Leben dir aufgehen; das Dunkel wird wie der Morgen sein.

18 Dann wirst du getrost sein, weil es Hoffnung gibt, und wirst um dich blicken und in Sicherheit dich niederlegen.

19 Du legst dich zur Ruhe, und niemand schreckt dich auf, und viele werden dann deine Gunst suchen.

20 Aber die Augen der Gottlosen verschmachten, [ihre] Zuflucht geht ihnen verloren, und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele!

Hiobs Antwort auf Zophar

12 Und Hiob antwortete und sprach:

Wahrlich, ihr seid die [rechten] Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!

Auch ich habe Verstand wie ihr und stehe nicht hinter euch zurück; wer wüsste denn diese Dinge nicht?

Ich bin wie einer, der zum Gespött für seine Freunde wird; dabei rief ich [einst] zu Gott und wurde von ihm erhört! Der untadelige Gerechte wird zum Gespött!

»Dem Unglück gebührt Verachtung!«, so meint der Sichere; ja, einen Stoß noch für die, deren Fuß wankt!

Die Zelte der Räuber haben Ruhe, und in Sicherheit leben die, welche Gott reizen, diejenigen, die Gott in ihrer Faust führen.

Aber frage doch das Vieh, und es wird dich belehren, oder die Vögel des Himmels, und sie werden dir"s verkünden,

oder rede mit der Erde, und sie wird dich unterweisen, und die Fische im Meer erzählen es dir.

Wer unter allen diesen wüsste nicht, dass die Hand des Herrn dies gemacht hat,

10 dass in seiner Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist jedes menschlichen Fleisches?

11 Prüft nicht das Ohr die Worte, wie der Gaumen die Speise schmeckt?

12 Wohnt bei den Greisen die Weisheit und bei den Betagten der Verstand?

Hiob bezeugt die Macht Gottes

13 Bei Ihm ist Weisheit und Stärke, Sein ist Rat und Verstand!

14 Siehe, wenn Er niederreißt, wird nicht wieder aufgebaut; wenn er über dem Menschen zuschließt, wird nicht wieder geöffnet.

15 Siehe, wenn er die Gewässer zurückhält, so vertrocknen sie; lässt er sie los, so verwüsten sie das Land.

16 Bei ihm ist Macht und Verstand; ihm gehört, wer irregeht und wer irreführt.

17 Er führt die Ratgeber beraubt hinweg und macht Richter zu Narren.

18 Die Herrschaft der Könige löst er auf und schlingt eine Fessel um ihre Lenden.

19 Er führt die Priester beraubt hinweg und stürzt die Festgegründeten um.

20 Er nimmt den Wohlbewährten die Sprache weg und raubt den Alten die Urteilskraft.

21 Er schüttet Verachtung über die Edlen und löst den Gürtel der Starken.

22 Er enthüllt, was im Finstern verborgen liegt, und zieht den Todesschatten ans Licht.

23 Er macht Völker groß, und er vernichtet sie; er breitet die Völker weit aus, und er führt sie weg.

24 Den Häuptern des Volkes im Land nimmt er den Verstand und lässt sie irren in pfadloser Wüste;

25 sie tappen in Finsternis ohne Licht; er lässt sie taumeln wie Betrunkene.

Hiob will sich vor Gott rechtfertigen und verteidigen

13 Siehe, dies alles hat mein Auge gesehen, mein Ohr hat’s gehört und sich gemerkt;

was ihr wisst, weiß auch ich; ich stehe nicht hinter euch zurück.

Ich aber will nun zu dem Allmächtigen reden; mit Gott zu rechten[z] begehre ich.

Ihr hingegen streicht ja nur Lügenpflaster und seid nichts als Quacksalber[aa], ihr alle!

O dass ihr doch schweigen könntet; das würde euch als Weisheit angerechnet!

So hört nun meine Rechtfertigung, und achtet auf die Verteidigung meiner Lippen!

Wollt ihr Gott zuliebe Unrechtes reden und zu seinen Gunsten lügen?

Wollt ihr seine Partei ergreifen oder Gottes Anwalt spielen?

Wäre es gut [für euch], wenn er euch erforschte? Könnt ihr ihn täuschen, wie man Menschen täuscht?

10 Nein, strafen wird er euch, wenn ihr im Geheimen die Person anseht!

11 Wird nicht seine Majestät euch in Furcht versetzen und Schrecken vor ihm euch überfallen?

12 Eure Denksprüche sind Sprüche aus Asche, und eure Schutzwehren sind Schutzwehren aus Lehm.

13 Schweigt vor mir und lasst mich reden; es komme über mich, was will!

14 Warum sollte ich mein Fleisch in meine Zähne nehmen und mein Leben in meine Hand legen?

15 Siehe, er soll mich töten — ich will auf ihn warten; nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht verteidigen!

16 Auch das schon wird mir zur Rettung dienen; denn kein Gottloser kommt vor sein Angesicht.

17 Hört doch, hört auf meine Rede, und meine Erklärung dringe in eure Ohren!

18 Gebt acht, ich habe die Verteidigung vorgebracht; ich weiß, dass ich Recht bekommen werde.

19 Wer ist es, der noch mit mir rechten will? Denn dann wollte ich verstummen und sterben.

20 Nur zweierlei tue mir nicht an, dann will ich mich vor deinem Angesicht nicht verbergen:

21 Tue deine Hand von mir und ängstige mich nicht mit deinem Schrecken!

22 Dann rufe du, und ich will antworten, oder ich will reden, und du erwidere mir!

23 Wie viele Sünden und Vergehen habe ich? Lass mich meine Übertretungen und Missetaten wissen!

24 Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind?

25 Verscheuchst du ein verwehtes Blatt und verfolgst einen dürren Halm?

26 Denn du verschreibst mir Bitteres und lässt mich erben die Sünden meiner Jugend;

27 du legst meine Füße in den Stock[ab] und lauerst auf alle meine Schritte und zeichnest dir meine Fußspuren auf,

28 da ich doch wie Moder vergehe, wie ein Kleid, das die Motten fressen!

Hiob beschreibt das Elend des Menschen

14 Der Mensch, von der Frau geboren, lebt [nur] kurze Zeit und ist voll Unruhe[ac].

Wie eine Blume sprießt er auf und verwelkt; gleich einem Schatten flieht er und hat keinen Bestand.

Ja, über einem solchen hältst du deine Augen auf, und mit mir gehst du ins Gericht!

Wie könnte denn ein Reiner von einem Unreinen kommen? Nicht ein Einziger!

Wenn doch seine Tage bestimmt sind, die Zahl seiner Monate bei dir [festgelegt] ist und du ihm ein Ziel gesetzt hast, das er nicht überschreiten kann,

so schaue doch weg von ihm und lass ihn in Ruhe, damit er seinen Tag froh beendet wie ein Tagelöhner!

Denn für einen Baum gibt es Hoffnung: Wird er abgehauen, so sprosst er wieder, und seine Schösslinge bleiben nicht aus.

Wenn seine Wurzel in der Erde auch alt wird und sein Stumpf im Staub abstirbt,

so sprosst er doch wieder vom Duft des Wassers und treibt Zweige, als wäre er neu gepflanzt[ad].

10 Der Mann aber stirbt und ist dahin; der Mensch vergeht, und wo ist er?

11 Wie Wasser zerrinnen aus dem See, und wie ein Strom vertrocknet und versiegt,

12 so legt sich auch der Mensch nieder und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, regen sie sich nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlaf.

13 O dass du mich doch im Totenreich verstecken, dass du mich verbergen würdest, bis dein Zorn sich wendet; dass du mir eine Frist setztest und dann wieder an mich gedächtest!

14 Aber wird denn der Mensch, wenn er stirbt, [wieder] leben? Die ganze Zeit meines Frondienstes würde ich harren, bis meine Ablösung käme.

15 Dann würdest du rufen, und ich würde dir antworten; nach dem Werk deiner Hände würdest du dich sehnen.

16 Nun aber zählst du meine Schritte; achtest du nicht auf meine Sünde?

17 Versiegelt ist meine Übertretung in einem Bündel, und meine Schuld hast du verwahrt[ae].

18 Doch stürzen ja auch Berge ein und sinken dahin, und Felsen werden von ihrer Stelle weggerückt;

19 das Wasser höhlt Steine aus, und die Flut schwemmt den Staub der Erde fort: So machst du auch die Hoffnung des Sterblichen zunichte.

20 Du überwältigst ihn für immer, und er fährt dahin; du entstellst sein Angesicht und jagst ihn fort.

21 Ob seine Kinder zu Ehren kommen, weiß er nicht, und kommen sie herunter, so merkt er es nicht.

22 Sein Fleisch empfindet nur noch seine eigenen Schmerzen, und seine Seele trauert nur über sich selbst!

Die zweite Rede des Eliphas

15 Da antwortete Eliphas, der Temaniter, und sprach:

Soll ein Weiser mit windigem Wissen antworten und seinen Leib mit Ostwind füllen?

Soll er mit Worten streiten, die nichts taugen, oder mit Reden, durch die er nichts nützt?

Ja, du machst die Gottesfurcht zunichte und schwächst die Andacht vor Gott!

Denn deine Missetat lehrt deinen Mund, und du wählst die Sprache der Listigen.

Dein eigener Mund verurteilt dich und nicht ich; und deine Lippen zeugen gegen dich!

Bist du als erster der Menschen geboren, und bist du vor den Hügeln hervorgebracht worden?

Hast du Gottes Geheimnis[af] belauscht und alle Weisheit an dich gerissen?

Was weißt du, das wir nicht wüssten? Was verstehst du, das uns nicht bekannt wäre?

10 Auch unter uns sind ergraute Häupter, auch Greise, reicher an Tagen als dein Vater!

11 Sind dir Gottes Tröstungen zu gering, und ein Wort, das sanft mit dir verfährt?

12 Was hat dir die Besinnung geraubt, und wie übermütig wirst du,

13 dass du dein Schnauben gegen Gott kehrst und solche Worte aus deinem Mund ausstößt?

14 Was ist der Sterbliche, dass er rein sein sollte, und wie kann der von einer Frau Geborene gerecht sein?

15 Siehe, seinen Heiligen traut Er nicht, die Himmel sind nicht rein in seinen Augen;

16 wie viel weniger der Abscheuliche und Verdorbene, der Mensch, der Unrecht wie Wasser säuft?

17 Ich will’s dir mitteilen, höre mir zu; und was ich gesehen habe, will ich erzählen,

18 was Weise verkündeten und nicht verborgen haben von ihren Vätern her,

19 als ihnen das Land noch allein gehörte und noch kein Fremder in ihrer Mitte umherzog:

20 Der Gottlose quält sich mit Angst sein Leben lang; nur abgezählte Zeit ist dem Gewalttäter bestimmt;

21 Schreckensrufe sind in seinen Ohren, mitten im Frieden überfällt ihn der Verderber.

22 Er soll nicht glauben, dass er aus der Finsternis je wiederkehrt; für das Schwert ist er ausersehen!

23 Er irrt umher nach Brot: wo [kann er’s finden]? Er weiß, dass der Tag der Finsternis ihm bereitet ist.

24 Not und Bedrängnis überfallen ihn; sie überwältigen ihn wie ein König, der zum Angriff gerüstet ist.

25 Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgestreckt und sich gegen den Allmächtigen aufgelehnt;

26 er ist hartnäckig gegen ihn angelaufen, unter dem dicken Buckel seiner Schilde;

27 denn sein Angesicht hat er mit Fett gepolstert, und Speck hat er an seinen Lenden angesetzt.

28 Und er hat seine Wohnung in zerstörten Städten aufgeschlagen, in Häusern, die unbewohnt bleiben sollten, zu Trümmerhaufen bestimmt.

29 Er wird nicht reich, sein Vermögen hat keinen Bestand, und sein Besitz breitet sich nicht aus im Land.

30 Der Finsternis entgeht er nicht, die Flamme versengt seine Sprösslinge; vor dem Hauch Seines Mundes flieht er dahin.

31 Er verlasse sich nicht auf Betrug[ag], sonst wird er irregeführt; und Betrug wird seine Vergeltung sein.

32 Ehe sein Tag kommt, so erfüllt sich [sein Geschick]; sein Zweig grünt nicht mehr.

33 Wie ein Weinstock, der seine unreifen Trauben abstößt, und wie ein Ölbaum [ist er], der seine Blüten abwirft.

34 Denn die Rotte der Ruchlosen[ah] ist unfruchtbar, und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung.

35 Mit Mühsal gehen sie schwanger und gebären Unheil, und ihr Schoß bereitet ihnen Enttäuschung!

Hiobs Antwort auf Eliphas

16 Und Hiob antwortete und sprach:

Dergleichen habe ich oft gehört; ihr seid allesamt leidige Tröster!

Haben die geistreichen Worte ein Ende? Oder was reizte dich, zu antworten?

Auch ich könnte reden wie ihr! Befände sich nur eure Seele an meiner Stelle — da wollte ich Worte gegen euch zusammenreimen und den Kopf schütteln über euch!

Ich wollte euch mit meinem Mund stärken und mit dem Trost meiner Lippen euren Schmerz lindern!

Hiob klagt über sein Geschick

Wenn ich rede, so wird mein Schmerz nicht gelindert, unterlasse ich es aber, was verliere ich?

Doch jetzt hat Er mich erschöpft. Du hast meinen ganzen Hausstand verwüstet

und hast mich zusammenschrumpfen lassen; zum Zeugen [gegen mich] ist das geworden; auch mein Hinsiechen tritt gegen mich auf, es zeugt mir ins Angesicht.

Sein Zorn hat mich zerrissen und verfolgt, er knirscht mit den Zähnen gegen mich; mein Feind blickt mich mit scharfem Auge an.

10 Sie haben ihr Maul gegen mich aufgesperrt, unter Hohnreden schlagen sie mich ins Gesicht; sie rotten sich gegen mich zusammen[ai].

11 Gott hat mich dem Ungerechten preisgegeben und in die Hände der Gottlosen ausgeliefert.

12 Sorglos war ich, da hat er mich überfallen; er hat mich beim Nacken ergriffen und zerschmettert und mich als seine Zielscheibe aufgestellt.

13 Seine Geschosse umschwirrten mich, er durchbohrte meine Nieren ohne Erbarmen; meine Galle schüttete er auf die Erde aus.

14 Er zerbrach mich, [riss mir] eine Bresche nach der anderen, lief gegen mich an wie ein Krieger.

15 Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und mein Horn in den Staub gesenkt.

16 Mein Angesicht ist gerötet vom Weinen, und Todesschatten liegt auf meinen Lidern

17 — obwohl kein Unrecht an meinen Händen klebt und mein Gebet lauter ist!

18 O Erde, decke mein Blut nicht zu, und mein Geschrei komme nicht zur Ruhe!

19 Aber auch jetzt noch, siehe, ist mein Zeuge im Himmel und mein Bürge[aj] in der Höhe!

20 Meine Freunde spotten über mich; aber mein Auge blickt unter Tränen auf zu Gott,

21 dass er dem Mann Recht verschaffe vor Gott und dem Menschenkind[ak] vor seinem Nächsten.

22 Denn es kommen nur noch wenige Jahre, und ich gehe den Weg ohne Wiederkehr.

Hiob schildert seine Leiden

17 Mein Geist ist verstört, meine Tage laufen ab; die Grabstätte wartet auf mich.

Treibt man nicht Gespött mit mir, und muss nicht mein Auge ständig ihre Herausforderungen ansehen?

Setze doch einen ein, verbürge dich selbst für mich! Wer sollte sonst [als Bürge] in meine Hand einschlagen?

Denn du hast ihre Herzen der Einsicht verschlossen; darum wirst du sie nicht triumphieren lassen.

Wer Freunde der Plünderung preisgibt, dessen Kindern werden die Augen verschmachten.

Man stellt mich den Leuten zum Sprichwort hin, und ich muss sein wie einer, dem man ins Angesicht spuckt.

Mein Augenlicht erlischt vor Gram, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten.

Die Gerechten werden sich darüber entsetzen, und der Unschuldige wird sich über den Ruchlosen empören.

Aber der Gerechte wird an seinem Weg festhalten, und wer reine Hände hat, dessen Kraft nimmt zu.

10 Ihr dagegen, kehrt nur alle wieder um und geht [heim], ich finde doch keinen Weisen unter euch!

11 Meine Tage sind dahin, zerrissen meine Pläne, die Wünsche meines Herzens.

12 Die Nacht machen sie zum Tag; das Licht sei nahe, nicht die Finsternis!

13 Dabei erwarte ich doch, dass das Totenreich meine Wohnung wird und ich mein Lager in der Finsternis aufschlagen muss;

14 dabei muss ich doch zum Grab sagen: Du bist mein Vater!, zu den Würmern: Ihr seid meine Mutter und meine Schwestern!

15 Wo ist da noch Hoffnung für mich, und wer wird meine Hoffnung [verwirklicht] sehen?

16 Zu den Pforten des Totenreichs fährt sie hinab, wenn wir einmal alle miteinander im Staub ruhen!

Die zweite Rede des Bildad

18 Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:

Wie lange wollt ihr doch Jagd auf Worte machen? Besinnt euch zuerst, und dann wollen wir reden!

Warum werden wir dem Vieh gleichgeachtet, sind so dumm in euren Augen?

Du, der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn: Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stelle wegrücken?

Jawohl, das Licht des Gottlosen wird erlöschen, und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten.

Das Licht verfinstert sich schon in seinem Zelt, und seine Leuchte erlischt über ihm.

Seine kräftigen Schritte werden eingeengt, und sein eigener Ratschlag wird ihn zu Fall bringen.

Denn er wird mit seinen eigenen Füßen im Netz verstrickt und wandelt über Fallgruben dahin.

Eine Schlinge wird ihn an der Ferse ergreifen, und ein Fallstrick hält ihn fest.

10 Ein Strick ist für ihn auf dem Boden versteckt und seine Falle auf dem Pfad.

11 Von allen Seiten ängstigen ihn Schrecknisse und hetzen ihn auf Schritt und Tritt.

12 Sein Verderben verlangt hungrig nach ihm, und sein Unglück steht neben ihm bereit.

13 Es verzehrt die Glieder seines Leibes; der Erstgeborene des Todes zehrt seine Glieder auf.

14 Er wird vertrieben aus seinem Zelt, seinem Zufluchtsort, und es treibt ihn zu dem König der Schrecken.

15 Sein Zelt wird von einem bewohnt, der ihm nicht zugehört; auf seine Wohnung wird Schwefel gestreut.

16 Von unten werden seine Wurzeln verdorren, und von oben seine Zweige verwelken.

17 Sein Gedenken verschwindet von der Erde, und sein Name wird auf den Straßen nicht genannt werden.

18 Man stößt ihn aus dem Licht in die Finsternis und verjagt ihn aus der Welt.

19 Kein Spross noch Schössling bleibt ihm unter seinem Volk und kein Überlebender in seinen Wohnungen.

20 Über seinen Tag entsetzen sich die Abendländer, und die Morgenländer packt der Schauder.

21 So geht es der Wohnung des Ungerechten, und so der Stätte dessen, der Gott nicht kennt!

Hiobs Antwort auf Bildad. Klage über Gottes Züchtigungen

19 Und Hiob antwortete und sprach:

Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten niederdrücken?

Zehnmal schon habt ihr mich geschmäht; schämt ihr euch nicht, mich zu misshandeln?

Habe ich mich aber wahrhaftig verfehlt, so trifft doch meine Verfehlung mich selbst!

Wenn ihr in Wahrheit gegen mich großtun und mir meine Schmach vorwerfen wollt,

so erkennt doch, dass Gott mein Recht gebeugt und sein Netz über mich geworfen hat.

Siehe, wenn ich schreie »Gewalttat!«, so erhalte ich keine Antwort, und rufe ich um Hilfe, so finde ich kein Recht.

Er hat mir den Weg versperrt, sodass ich nicht weiterkomme, und über meine Pfade hat er Finsternis gebreitet.

Er hat mich meiner Ehre entkleidet und mir die Krone meines Hauptes weggenommen.

10 Er hat mich gänzlich niedergerissen, sodass ich vergehe, und hat meine Hoffnung entwurzelt wie einen Baum.

11 Sein Zorn ist gegen mich entbrannt, und er sieht mich an wie einen seiner Feinde.

12 Seine Scharen rücken geschlossen an und bahnen sich einen Weg gegen mich und lagern sich um mein Zelt her.

13 Meine Brüder hat er von mir verscheucht, und die mich kennen, sind mir ganz entfremdet.

14 Meine Verwandten bleiben aus, und meine Vertrauten verlassen mich.

15 Meine Hausgenossen und meine Mägde halten mich für einen Fremden; sie sehen mich als einen Unbekannten an.

16 Rufe ich meinen Knecht, so antwortet er mir nicht; ich muss ihn anflehen mit meinem Mund.

17 Mein Atem ist meiner Frau zuwider und mein Gestank den Söhnen meiner Mutter.

18 Sogar Buben verachten mich; stehe ich auf, so reden sie gegen mich.

19 Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die ich liebte, haben sich gegen mich gewandt.

20 An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein, und ich habe kaum noch Haut, um meine Zähne zu behalten.

21 Erbarmt euch, erbarmt euch doch über mich, ihr, meine Freunde, denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

22 Warum verfolgt ihr mich ebenso wie Gott und werdet nicht satt, mich zu zerfleischen?

Hiobs Glaube: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«

23 O dass doch meine Worte aufgeschrieben, o dass sie doch in ein Buch eingetragen würden,

24 dass sie mit eisernem Griffel und Blei für immer in den Felsen gehauen würden:

25 Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben.

26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los,[al] Gott schauen;

27 ja, ich selbst werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne [ihm] fremd zu sein[am]. Danach sehnt sich mein Herz in mir![an]

28 Wenn ihr sprecht: »Wie wollen wir ihn zur Strecke bringen?«, und [meint,] die Wurzel der Sache sei in mir zu finden,

29 so fürchtet euch selbst vor dem Schwert! Denn das Schwert wird die Sünden rächen, damit ihr wisst, dass es ein Gericht gibt!

Die zweite Rede des Zophar

20 Da antwortete Zophar, der Naamatiter, und sprach:

Darum veranlassen mich meine erregten Gedanken zu einer Antwort, und deswegen drängt es mich [zu reden].

Eine Zurechtweisung zu meiner Schande musste ich hören; aber mein Geist treibt mich zu antworten um meiner Einsicht willen:

Hast du dies nicht von alter Zeit her erkannt? Seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt wurde,

ist das Frohlocken der Gottlosen kurz, und die Freude der Frevler währt nur einen Augenblick.

Wenn auch sein Stolz bis zum Himmel reichte und sein Haupt die Wolken berührte,

so geht er doch, gleich seinem Kot, auf ewig unter; die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?

Wie ein Traum verfliegt er, man wird ihn nicht mehr finden; er wird weggescheucht wie ein Nachtgesicht.

Das Auge, das ihn sah, sieht ihn nicht wieder, und erblickt ihn nicht mehr an seinem Ort.

10 Seine Söhne müssen die Armen entschädigen, und seine Hände sein Vermögen wieder herausgeben.

11 Seine Gebeine waren voller Jugendkraft: Die liegt nun mit ihm im Staub.

12 Ist das Böse noch so süß in seinem Mund, dass er es unter seiner Zunge birgt,

13 dass er es hegt und nicht lassen kann und an seinem Gaumen festhält:

14 so verwandelt sich doch seine Speise in seinen Eingeweiden, wird zu Schlangengift in seinem Inneren.

15 Den Reichtum, den er verschlungen hat, muss er wieder von sich geben; Gott treibt es ihm aus seinem Bauch heraus.

16 Schlangengift hat er gesaugt: Darum wird ihn die Zunge der Otter töten.

17 Er wird seine Lust nicht sehen an den Bächen, an den Strömen von Honig und von Milch.

18 Den Gewinn muss er zurückgeben, und er kann ihn nicht verschlingen; an dem Reichtum, den er erwarb, wird er nicht froh;

19 denn er hat Arme misshandelt und sie liegen lassen, hat ein Haus beraubt anstatt gebaut.

20 Sein Bauch kannte keine Ruhe; vor seiner Begehrlichkeit blieb nichts verschont.

21 Nichts entging seiner Fressgier, darum wird auch sein Gut nicht Bestand haben.

22 Mitten in seinem Überfluss wird er in Not geraten; alle Hände der Unglücklichen kommen über ihn.

23 Es wird geschehen, während er seinen Bauch noch füllt, wird Er die Glut Seines Zornes über ihn senden und sie auf ihn regnen lassen, in seine Eingeweide hinein.

24 Flieht er vor eisernen Waffen, so wird ihn der eherne Bogen durchbohren.

25 Er zieht [an dem Pfeil], und er kommt aus dem Rücken hervor; blitzend fährt er aus seiner Galle, Todesschrecken kommen über ihn.

26 Alle Finsternis ist aufgespart für seine Schätze; ihn wird ein Feuer verzehren, das nicht angefacht wird; übel wird es dem ergehen, der in seinem Zelt übrig geblieben ist.

27 Der Himmel wird seine Schuld offenbaren und die Erde sich gegen ihn empören.

28 Der Ertrag seines Hauses fährt dahin, muss zerrinnen am Tag Seines Zornes.

29 Das ist das Teil des gottlosen Menschen von Gott, das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat!

Hiobs Antwort: Das Wohlergehen der Gottlosen

21 Darauf antwortete Hiob und sprach:

Hört, o hört doch an, was ich zu sagen habe; das soll der Trost sein, den ihr mir gewährt!

Erlaubt mir, dass ich rede; und nachdem ich gesprochen habe, magst du spotten!

Richte ich etwa meine Klage an einen Menschen? Und warum sollte ich nicht ungeduldig sein?

Wendet euch zu mir und staunt, und legt die Hand auf den Mund!

Ja, wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern erfasst meinen Leib.

Warum leben denn die Gottlosen, werden alt, groß und stark?

Ihr Same gedeiht vor ihrem Angesicht um sie her, und ihre Sprösslinge sind vor ihren Augen.

Ihre Häuser haben Frieden, keine Furcht; die Rute Gottes schlägt sie nicht.

10 Sein Stier bespringt, und nicht umsonst; seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt.

11 Ihre Jungen lassen sie ausziehen wie eine Schafherde, und ihre Kinder hüpfen herum.

12 Sie singen laut zur Pauke und Laute und sind fröhlich beim Klang der Schalmei.

13 Sie verbringen ihre Tage in Wohlleben und fahren in einem Augenblick[ao] in das Totenreich hinab.

14 Und doch sprechen sie zu Gott: »Weiche von uns; nach der Erkenntnis deiner Wege fragen wir nicht!

15 Was ist schon der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, und was nützt es uns, ihn anzurufen?«

16 — Doch siehe, ihr Glück liegt nicht in ihrer Hand; [darum] sei der Rat der Gottlosen fern von mir! —

17 Wie oft erlischt die Leuchte der Gottlosen und ereilt sie ihr Unglück, teilt Er ihnen Verderben zu in seinem Zorn,

18 werden sie wie Stroh vor dem Wind und wie Spreu, die der Sturm entführt?

19 Spart Gott das Unglück [des Gottlosen] für seine Kinder auf? — Ihm selbst sollte er vergelten, sodass er es weiß!

20 Seine eigenen Augen sollen sein Verderben sehen, und den Zorn des Allmächtigen soll er selbst trinken!

21 Denn was liegt ihm an seinem Haus nach seinem Tod, wenn die Zahl seiner Monate abgerissen ist?

22 Kann man Gott Erkenntnis lehren, da er es doch ist, der die Hohen richtet?

23 Der eine stirbt im Vollbesitz seiner Kraft, vollkommen ruhig und sorglos;

24 seine Tröge fließen über von Milch, und das Mark seiner Gebeine ist getränkt.

25 Der andere aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie Gutes geschmeckt:

26 Gemeinsam liegen sie im Staub, und Gewürm bedeckt sie beide.

27 Seht, ich kenne eure Überlegungen und die listigen Pläne, mit denen ihr mir Unrecht tun wollt!

28 Denn ihr denkt: »Wo ist das Haus des Fürsten? Und wo ist das Zelt, in dem die Gottlosen wohnten?«

29 Habt ihr nicht die befragt, die auf dem Weg vorüberzogen? Und habt ihr ihre Hinweise nicht beachtet,

30 dass der Böse verschont wird am Tag des Unglücks und dem Tag des Zorns entgeht?

31 Wer kann ihm ins Gesicht seinen Wandel vorhalten, und sein Tun, wer vergilt es ihm?

32 Doch er wird [feierlich] zu Grabe getragen, und über seinem Grabhügel hält man Wache.

33 Angenehm sind ihm die Schollen des Tales; hinter ihm her zieht jedermann, und vor ihm her eine unzählbare Schar.

34 Was tröstet ihr mich da mit Nichtigkeiten? Eure Antworten sind nichts als Trug!

Die dritte Rede des Eliphas

22 Darauf antwortete Eliphas, der Temaniter, und sprach:

Kann ein Mann Gott etwas nützen? Es nützt ja der Verständige nur sich selbst.

Hat der Allmächtige Freude, wenn du gerecht bist? Ist"s ihm ein Gewinn, wenn du in Unschuld wandelst?

Straft er dich etwa wegen deiner Gottesfurcht, und geht er deshalb mit dir ins Gericht?

Sind nicht deine Missetaten groß und deine Schulden ohne Ende?

Du hast deine Brüder grundlos gepfändet und den Entblößten die Kleider ausgezogen;

du hast dem Ermatteten kein Wasser zu trinken gegeben und dem Hungrigen das Brot verweigert.

Dem Gewalttätigen gehört ja das Land, und der Angesehene wohnt darin.

Du hast Witwen leer fortgeschickt, und die Arme der Waisen wurden zerbrochen.

10 Deshalb waren rings um dich her Fallen, sodass dich plötzlich Schrecken überfiel.

11 Oder siehst du die Finsternis nicht und die Wasserflut, die dich bedeckt?

12 Ist Gott nicht so hoch wie die Himmel? Sieh doch die höchsten Sterne, wie hoch sie stehen!

13 Und du denkst: »Was weiß Gott! Sollte er durch das Wolkendunkel hindurch richten?

14 Die Wolken sind eine Hülle für ihn[ap], sodass er nicht sehen kann, und er wandelt auf dem Himmelsgewölbe umher!«

15 Willst du den Weg der Vorzeit befolgen, den Pfad, auf dem die Frevler einhergingen,

16 die vor ihrer Zeit weggerafft wurden, deren Fundament der Strom wegriss,

17 die zu Gott sprachen: »Weiche von uns!«, und: »Was kann der Allmächtige einem schon tun?«

18 Und er hatte doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt! — Doch der Rat der Gottlosen sei fern von mir!

19 Als die Gerechten es sahen, freuten sie sich, und der Unschuldige spottete über sie:

20 »Fürwahr, unsere Widersacher sind vertilgt, und das Feuer hat ihren Überrest verzehrt!«

21 Versöhne dich doch mit Ihm und mache Frieden! Dadurch wird Gutes über dich kommen.

22 Nimm doch Belehrung an aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz!

23 Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du aufgerichtet werden, wenn du die Ungerechtigkeit aus deinem Zelt entfernst.

24 Wirf das Gold in den Staub und das Ophirgold zu den Steinen der Bäche,

25 so wird der Allmächtige dein Gold und dein erlesenes Silber sein!

26 Dann wirst du dich an dem Allmächtigen erfreuen und dein Angesicht zu Gott erheben;

27 du wirst zu ihm flehen, und er wird dich erhören, und du wirst deine Gelübde erfüllen.

28 Was du dir vornimmst, das wird gelingen, und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten.

29 Wenn sie abwärts führen, so wirst du sagen: »Es geht empor!«, und wer die Augen niederschlägt, den wird er retten.

30 Er wird [selbst] den freilassen, der nicht unschuldig ist: Durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit werden.

Hiobs Antwort auf Eliphas: Er will seine Rechtssache vor Gott bringen

23 Da antwortete Hiob und sprach:

Auch heute noch ist meine Klage bitter; die Hand, die mich trifft, presst mir schwere Seufzer aus!

O dass ich wüsste, wo ich ihn fände, dass ich bis zu seinem Thron[aq] gelangen könnte!

Ich würde ihm [meine] Rechtssache vorlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen.

Ich möchte wissen, was er mir antworten, und erfahren, was er zu mir sagen würde.

Würde er in seiner Machtfülle mit mir streiten? Nein, er würde mich gewiss anhören.

Da würde ein Redlicher bei ihm vorsprechen, und ich würde auf ewig frei ausgehen[ar] von meinem Richter.

Wenn ich aber nach Osten gehe, so ist er nirgends; wende ich mich nach Westen, so bemerke ich ihn nicht;

wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so kann ich ihn nicht sehen.

10 Ja, er kennt meinen Weg; wenn er mich prüft, so werde ich wie Gold hervorgehen!

11 Mein Fuß ist seinen Tritten gefolgt; seinen Weg habe ich bewahrt und bin nicht davon abgewichen;

Footnotes:

  1. (4,15) od. Hauch.
  2. (4,16) w. ein Säuseln und eine Stimme.
  3. (4,21) Schlachter übersetzte: und zwar nicht an Weisheit.
  4. (5,4) Das Tor einer Stadt war der Ort der Rechtssprechung.
  5. (5,8) hebr. El.
  6. (5,8) hebr. Elohim.
  7. (5,11) od. und die Trauernden steigen zum Glück empor.
  8. (5,24) w. in Friede / Wohlergehen.
  9. (6,2) w. und mein Unglück damit zusammen auf die Waage legte.
  10. (6,8) w. meine Hoffnung.
  11. (6,10) w. verborgen.
  12. (6,13) w. Ist es nicht so, dass keine Hilfe in mir ist und mir jede Stütze entrissen wurde?
  13. (6,15) Gemeint sind die im Nahen Osten häufigen Wadis, die im Winter reißende Wildbäche bilden, im Sommer aber austrocknen.
  14. (7,1) d.h. angeordneten, erzwungenen Dienst, auch Kriegsdienst.
  15. (7,16) Andere Übersetzung: Ich werde doch nicht ewig leben.
  16. (7,17) hebr. enosch: der sterbliche, hinfällige Mensch.
  17. (7,17) w. dein Herz auf ihn richtest.
  18. (7,21) w. lässt meine Schuld nicht vorübergehen.
  19. (8,4) w. in die Hand.
  20. (8,7) w. Und dein Anfang wird gering sein, aber dein Ende wird er sehr groß machen.
  21. (8,10) In der alten Schlachter-Bibel sind die folgenden Verse sehr frei in Reimen wiedergegeben: »11 Schießt der Papyrus ohne Sumpf empor, gedeiht, wo Wasser fehlt, des Schilfes Rohr, 12 das doch, wenn es noch in vollem Triebe steht, ehe es geschnitten wird, zugrunde geht? 13 Das ist der Weg, den alle Gottvergessenen ziehn: Auch ihre Hoffnung welkt wie Gras dahin! 14 Ein Spinngewebe ist des Frevlers Haus, mit seinem Trotzen ist es plötzlich aus; 15 vergeblich stützt er sich und trotzt darauf; er fällt dahin und steht nicht wieder auf. 16 Und jener dort, er grünt im Sonnenglanz, die Ranken überziehen den Garten ganz; 17 die Wurzeln flechten ins Gemäuer sich ein, hoch schlingt er sich empor am Haus von Stein. 18 Doch tilgt ihn Gott von seiner Stätte, so spricht sie: Mir ist nicht bewusst, dass ich dich je gesehen hätte! 19 Siehe, das ist seines Weges Lust, [das Ende von des Sünders Lebenslauf:] Es stehn aus seinem Staube andre auf«.
  22. (9,7) d.h. verdunkelt sie.
  23. (9,13) Das Seeungeheuer Rahab steht an anderen Stellen symbolisch für das Land Ägypten.
  24. (9,33) od. Schiedsmann (vgl. 1Tim 2,5).
  25. (11,7) od. das Wesen.
  26. (13,3) Andere Übersetzung: vor Gott mich zu rechtfertigen …
  27. (13,4) od. wertlose Ärzte.
  28. (13,27) d.h. in ein Holzgestell, in dem Hände und Füße eingeschlossen werden konnten.
  29. (14,1) w. mit Unruhe gesättigt.
  30. (14,9) w. wie ein Schössling.
  31. (14,17) w. zugeklebt.
  32. (15,8) od. geheimnisvollen Ratschluss.
  33. (15,31) od. Nichtiges; so auch im zweiten Teil des Verses.
  34. (15,34) od. die Versammlung / Sippe der Frevler.
  35. (16,10) od. versammeln sich gegen mich.
  36. (16,19) od. Fürsprecher / Verteidiger; jemand, der Zeugnis für einen anderen ablegt.
  37. (16,21) w. Menschensohn.
  38. (19,26) Andere Übersetzung: aus meinem Fleisch.
  39. (19,27) w. und nicht als Fremden.
  40. (19,27) w. Es schmachten meine Nieren in meinem Inneren.
  41. (21,13) od. und fahren in Ruhe …; d.h. sie haben keinen Leidenskampf beim Sterben.
  42. (22,14) w. sind ihm ein Versteck.
  43. (23,3) Andere Übersetzung: Richterstuhl / Wohnstätte.
  44. (23,7) od. gerettet werden.
Schlachter 2000 (SCH2000)

Copyright © 2000 by Geneva Bible Society

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