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Hiob 10Schlachter 1951 (SCH1951)

Hiob fühlt sich von Gott grundlos bedrängt

10 Meiner Seele ekelt vor dem Leben;
ich will mich meiner Klage überlassen, will reden in der Betrübnis meiner Seele.
Ich spreche zu Gott: Verdamme mich nicht!
Tue mir kund, weshalb du mich befehdest.
Dünkt es dich gut, das Werk deiner Hände zu unterdrücken
und zu verwerfen,
während du über den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässest?
Hast du Fleischesaugen,
oder siehst du, wie ein Sterblicher sieht?
Sind denn deine Tage wie Menschentage,
deine Jahre den Jahren eines Mannes gleich,
daß du nach meiner Schuld forschest
und nach meiner Sünde fragst,
da du doch weißt, daß ich unschuldig bin
und mich niemand aus deiner Hand erretten kann?
Deine Hände haben mich gebildet und gemacht ganz und gar,
und du wolltest mich nun vernichten?
Gedenke doch, daß du mich wie Ton gebildet hast;
willst du mich wieder in Staub verwandeln?
10 Hast du mich nicht wie Milch hingegossen
und wie Käse mich gerinnen lassen?
11 Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet,
mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben.
12 Leben und Gnade hast du mir geschenkt,
und deine Obhut bewahrte meinen Geist.
13 Und doch hegst du solches in deinem Herzen; ich weiß, daß es bei dir so beschlossen ist,
14 daß, wenn ich sündigte, du darauf achten
und mich nicht lossprechen würdest von meiner Missetat!
15 Habe ich Übles getan, dann wehe mir!
Und bin ich im Recht, so darf ich mein schmachbedecktes Haupt doch nicht erheben,
sondern muß mich satt sehen an meinem Elend!
16 Wagt es aber, sich zu erheben,
so verfolgst du mich wie ein Löwe
und handelst noch unbegreiflicher mit mir;
17 du stellst neue Zeugen wider mich auf,
mehrst deinen Zorn gegen mich,
bietest stets frische Scharen, ja ein Heer wider mich auf!

18 Warum hast du mich aus dem Mutterleibe hervorgebracht?
Wäre ich doch umgekommen, ohne daß mich ein Auge gesehen hätte!
19 So würde ich sein, als wäre ich niemals gewesen,
vom Mutterleibe weg ins Grab gelegt.
20 Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Er stehe doch ab,
lasse ab von mir, daß ich mich ein wenig erhole,
21 ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren
ins Land der Finsternis und des Todesschattens,
22 an den dunkeln Ort,
wo Finsternis und keine Ordnung herrscht,
und wo der Tag nicht heller ist als die Nacht!

Schlachter 1951 (SCH1951)

Copyright © 1951 by Geneva Bible Society

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